In den eineinhalb Jahren Hauskampf um den Projekterhalt der Yorckstrasse 59 haben die politischen Initiativen und BewohnerInnen an Geschlossenheit und Kraft gewonnen. Die Erfahrungen, Kontakte und insbesondere die massive und breite gesellschaftliche Unterstützung wollen wir jetzt nutzen, um weiter für den Erhalt unseres Projektes zu kämpfen.
Gerade durch die gewaltsam durchgeführte Räumung des Hauses wurde die breite Unterstützung - im Kiez, berlinweit, bundesweit und international - deutlich. Mit vielen Aktionen, Demonstrationen, Soli-Besetzungen, Protesten, mit Patenschaften, Proklamationen und Spenden wurde der Kampf gegen die Räumung heftig unterstützt. Dies schlägt sich auch in der mit wenigen Ausnahmen (z.B. Berliner Zeitung) positiven Berichterstattung in der Presse nieder.
Morgens blockierten knapp 500 Unterstützerinnen die Yorckstraße, vor und innerhalb des Hauses, nachmittags verliehen mehrere tausend bei spontanen Reclaim the Streets in ganz Berlin ihrer Wut und ihrer Solidarität Ausdruck. Als am Abend nach der Räumung an die 2500 Menschen in Kreuzberg demonstrierten, brannte vor dem geräumten Hause tatsächlich die Luft. Auch die abendliche Hausbesetzung am Oranienplatz und die anschließenden Protestaktionen in Kreuzberg-Friedrichshain, machen deutlich, dass das Hausprojekt YORCK59 von einer breiten Solidaritätsbewegung getragen wird.
Die UnterstützerInnen befürworten die Entscheidung der YORCK59, sich nicht auf die kurzfristige Zusage an den Kauf eines stark sanierungsbedürftigen Ersatzobjekts, und damit nicht auf Hinhaltetaktik, leere Versprechungen und Drohungen der PolitikerInnen eingelassen zu haben.
Die Erfahrungen anderer Projekte zeigen, dass die politisch Verantwortlichen in solchen Situationen mit Schuldzuweisungen und Verschleppungen arbeiten, damit die Projekte irgendwann soweit sind, fast alles zu unterschreiben. Auch versuchen PolitikerInnen auf diese Weise, ihre eigene Haut zu retten, indem sie im Nachhinein den BewohnerInnen die Schuld für die Räumung zuweisen können. Diese Taktik haben wir erkannt und ignoriert. Nur über die Ablehnung dieser Scheinvereinbarung kann der Projekterhalt gesichert werden.
Wir haben lange Zeit ernsthaft verhandelt. Die "Options- und Räumungsvereinbarung", die die YORCK59 unterschreiben sollte, ließ keinerlei Verhandlungsspielraum zu. Der Liegenschaftsfonds und die anwesenden PolitikerInnen waren nicht bereit, die so genannten Ersatzangebote zu präzisieren (fehlende Verkehrswerte, Baugutachten, Sanierungsberechnungen). Der Innensenator weigerte sich den notwendigen Zeitraum zu einer Prüfung der eventuellen Ersatzobjekte einzuräumen. Die Vereinbarung sollte die freiwillige Räumung fixieren, ohne der Yorck59 ein Ersatzobjekt verbindlich und seriös zuzusichern. Eine Unterschrift unsererseits hätte das Aus für den Projekterhalt bedeutet.
Schon im Vorfeld der finalen Verhandlungen versuchten Innensenator Körting, Abgeordnete der PDS, der Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds, Herr Lippmann, und der Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Herr Hirsch, deutlich Druck auf die Yorck59 auszuüben, z.B. "Wer im Haus angetroffen wird, muss zahlen.", "Nach der Räumung habt Ihr gar nichts mehr."
Auch die SPD zeigte sich bei dem wiederholten Besuch von UnterstützerInnen der Yorck59 in ihrer Landeszentrale nicht mehr so verhandlungsbereit wie beim ersten Besuch. Die Sozialdemokraten liessen die Polizei räumen und erstatteten Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs. Durch eine neunstündige "Ingewahrsamnahme" der SPD-Gäste und eine erkennungsdienstliche Behandlung durch das Landeskriminalamt, wurden die ersten Kriminalisierungsversuche erkennbar.
Der Versuch, Menschen zu kriminalisieren, die sich für gegen Ausgrenzung und Vertreibung linker Freiräume und für eine soziale Stadt einsetzen, wurde auch durch die brutale Vorgehensweise der Polizei und des SEK`s während der Räumung deutlich. Gezielte Fußtritte, Faustschläge, Würgeversuche und Ellenbogenstöße in die Gesichter waren die Antworten der Polizei auf den passiven Widerstand der UnterstützerInnen und BewohnerInnen, die sich im Haus oder vor dem Haus in einer Sitzblockade befanden. Sexistische Bemerkungen gegenüber Frauen und verbale Drohungen und Beschimpfungen der DemonstrantInnen, aber auch das In-die-Knie-zwingen von Festgenommenen im ersten Hof belegen die Willkür und das Machtgebaren der Uniformierten. Das polizeiliche "Antikonfliktteam" bildete mehrmals einen Sichtschutz, um die Straftaten der Polizei vor JournalistInnen abzuschirmen. Trotz dieser Maßnahmen existieren viele Bilddokumente, die die Brutalität des Einsatzes belegen (z.Zt. wird eine Dokumentation der Übergriffe zusammengestellt).
Trotz der Räumung besteht die YORCK59 weiter!
Wir sind zur Zeit ein Hausprojekt ohne Haus. Das werden wir ändern. Wir werden weiter intensiv, unermüdlich und unerbittlich mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften und mit Hilfe der vielen UnterstützerInnen für den Erhalt unseres Hausprojektes kämpfen.
Wir sind nicht weg - wir sind nur geräumt!
Wir fordern weiterhin adäquate und seriöse Angebote zu Objekten, in denen ein Fortbestand des Hausprojektes YORCK59 möglich ist. Angebote, die das Papier wert sind, auf das sie geschrieben sind.
Es gibt viele leerstehende Häuser in der Stadt. Der Kampf geht weiter!.
YORCK59 bleibt! Jetzt erst recht!
10.06.2005 
Hauskampf, internationale Solidarität und Antiräumungsseiten um den 6.6.2005
Hier gehts zu den Seiten Hauskampf, den internationalen Soliseiten und den Antiräumungsseiten um den 6.6.2005.

Yorck59 bleibt!
Das Hausprojekt Yorck59 befindet sich in der Yorckstraße 59, im Hinterhaus eines schönen alten Backsteinbaus. Die vier Fabriketagen wurden 1989 von einer Gemeinschaft linker Wohngruppen gemietet und ausgebaut. Wir leben und arbeiten dort also seit 15 Jahren, kollektiv, solidarisch und selbstbestimmt; 60 Leute im Alter von 0 bis 43, darunter 10 Kinder. Hier gibt es außer den großen Wohngemeinschaften auch Raum für politische Initiativen, z.B die ARI (Anti-Rassistische Initiative), das Radioprojekt Onda, den Infopool Lateinamerika Poonal, das Anti-Hartz-Bündnis, diverse internationalistische Gruppen sowie ein Atelier. In der Veranstaltungsetage findet ihr im 2. Stock die DruzBar. Jeden 1. und 3. Montag im Monat gibt es hier leckeres Essen, Getränke zum Selbstkostenpreis und regelmäßig Filme oder andere Darbietungen. Diese Etage wird seit vielen Jahren außerdem von nicht-kommerziellen Sport- und Theatergruppen und für Partys, Ausstellungen und politische Veranstaltungen genutzt. In unserem Hof ist Platz für die Kinder und zum Abhängen, Lesen, Sich Treffen und für die alljährlichen Hoffeste, wie jüngst am 31.7. Das Hausprojekt stellt also eine wichtige Infrastruktur für die Nachbarschaft und die linke (Sub-)Kultur dar. Doch nach den Vorstellungen der neuen Hauseigentümer soll dies ein Ende haben.
Im Sommer 2003 geriet das Haus in Zwangsverwaltung, da unser alter Besitzer pleite gegangen war. Als wir davon hörten, planten wir, das Haus mit Hilfe der Genossenschaft Freiburger Mietshäuser Syndikat selbst zu kaufen. Doch die Bank verkaufte das Haus im Dezember 2003 an uns vorbei. Der neue Besitzer, ein Herr Marc Walter aus Hamburg, gründete die Yorckstraße 59 GbR, Kantstr. 134. Sein Projekt ist es offensichtlich, dem Haus ein respektables und ansehnliches Äußeres zu geben, um dann genauso respektable Mieten zu kassieren.
Die neue Hausverwaltung, Bau-Partner GmbH, die auch in dem Büro in der Kantstr. 134 sitzt, geht von Anfang an auf Konfrontationskurs: Sie versucht, uns Teile der Sanierungskosten wegen angeblicher Selbstverschuldung aufzudrücken. Der Hausverwalter, Boris Gregor Marweld, ebenfalls Kantstr. 134, lässt wöchentlich die politischen Plakate in den Hofdurchgängen beseitigen, die Kosten will er auch auf uns abwälzen. Er beschneidet nicht nur unsere Informationsfreiheit: Den Hof, den wir seit Jahren nutzen, sollen wir räumen. Der neue Vermieter verlangt von uns zudem ab September 2004 mit Ablauf des Mietvertrags mehr als das Doppelte der jetzigen Nettokaltmiete. Das können und wollen wir nicht bezahlen!
Wir haben schon ganz andere klein gekriegt.
Unsere Hauskampf-Geschichte ist auch nicht ohne. Schon vor 9 Jahren hat es das Duo Penz&Garski mit uns zu tun bekommen. Sie wollten unsere Miete vervierfachen. Doch wir gingen ihnen mit öffentlichen Aktionen vor den SORAT-Hotels, der Veröffentlichung von Dietrich Garskis Geldgeschäften (er ist beim Senat mit über 45,-Mio Eu verschuldet) und durch die vielen Solidaritätsbekundungen gehörig auf die Nerven. Am Ende mussten sie sich am runden Tisch mit uns einigen. Nur aufgrund unseres damaligen Widerstandes existiert unser Hausprojekt immer noch und das werden wir auch diesmal schaffen.
Wir werden uns nicht vertreiben und vereinzeln lassen! Für ein selbstbestimmtes, kollektives Leben! Yorck59 bleibt!!
Achtet auf Ankündigungen für öffentliche Aktionen, kommt vorbei oder schaut auf unsere website.
Die BewohnerInnen und NutzerInnen der Yorck59, 2004
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